2 Meter Abstand

Die Rettungskraft:
Mirko Buri

Mirko Buri 2m Abstand

2m-abstand.ch: Mirko Buri ist so etwas wie das Gesicht der Foodsave-Bewegung. Mit seinen Labels mein-kuechenchef.ch und Foodoo kämpft er schon seit Jahren an vorderster Front gegen den allgegenwärtigen Food-Waste. Die Corona-Zeit nutzte er, um aus hunderten Kilos Süsskartoffeln Tausende von Gläsern gesunde Mayonnaise herzustellen und zu verkaufen. Unter anderem…

3,1 Mio. Klicks
Mirko Buri ist keiner, der einfach auf einen Zug aufspringt. Er ist allenfalls der Lokführer dieses Zuges. Einer, der sich schon seit sechs Jahren professionell mit dem Thema Foodwaste auseinandersetzt. Der mit seinem Label mein-kuechenchef.ch ein Pionier ist auf diesem Gebiet. Bis vor kurzem war er in der Schweiz nahezu unbekannt. Dann aber klickten sagenhafte 3,1 Mio auf die SRF-Dok-Sendung gegen Foodwaste – sie wurde Ende Februar ausgestrahlt. Danach änderte sich alles.

400 Anfragen – pro Stunde
Die Ausstrahlung der Doku löste bei Mirko Buri und seinem Team einen Riesenhype aus. «Ich bekam teilweise 400 Anfragen pro Stunde – und hätte wohl alleine bei Hunderten von Schulklassen vorbeigehen können», schaut Buri auf diese Wahnsinnszeit zurück. Der Berner Koch beantwortete während mehreren Nächten jedes einzelne Mail und viele Anfragen auf Social Media. Der Lockdown kam Mirko Buri zur Hilfe – aber nur in dieser Hinsicht.

10 000 kg Süsskartoffeln
Vom einen Moment auf den anderen war fertig. Sein Gastrobetrieb wurde geschlossen. «Zuerst hatte ich panische Angst und musste meine Mitarbeitenden nach Hause schicken. Ich konnte während drei Nächten nicht schlafen und überlegte mir neue Strategien», erinnert sich Buri an den Lockdown. Als erstes verarbeitete das Team von Mirko Buri alles Essbare und verschenkte es an Hilfsorganisationen weiter. Danach ging alles ruckzuck: Buri beschloss aus 10 000 kg überschüssigen Süsskartoffeln die gesündeste Mayonnaise herzustellen. «Wir bauten unser eigenes Foodlab um und richteten eine Produktionswerkstatt ein. Was viele nicht wissen: die Kartoffel ist das gesündeste Gemüse der Welt – und wir wissen nichts Besseres, als Unmengen davon einfach wegzuschmeissen.» Nicht aber Mirko Buri. Tausende von Mayo-Gläser wurden im Nu verkauft.


Mirko Buri 2m Abstand
Mirko Buri 2m Abstand

3500 Tonnen Tomaten
Als nächstes folgte der Tomatenüberschuss: Die Schweiz produziert jährlich hunderte Tonnen Tomaten zu viel. «Das kommt davon, dass wir Tomaten aus China importieren», ärgert sich Mirko Buri. Er handelte auch hier, produzierte im April Tausende von Tomatensaucen-Gläsern und verkaufte sie. «Das Prinzip ist ganz einfach: Regionale Tomaten statt Billimporte – das kommt bei vielen Kunden gut an.»

Der 40 000 Franken-Kühlschrank
Rein finanziell ist die Corona-Krise auch für Mirko Buri ein Desaster. Zwar machten er und sein Team das Beste aus der Situation, aber die Rechnung geht am Ende natürlich nicht auf. Dabei zählt sich der junge Koch noch zu den Privilegierten: «Wenn alles schief gegangen wäre, könnte ich neu anfangen und einen Job in der Gastronomie annehmen.» Buri ist im Nachhinein froh, dass er grosse Investitionen wie beispielsweise ein Kühlschrank für 40 000 Franken bereits letztes Jahr tätigte.

1 Mio. Leerläufe
Wenn Mirko Buri zurückschaut, ist er nicht nur stolz auf seine Innovationen. Er weiss auch, dass sich der Aufwand schlicht nicht auszahlt. «Wir erzielten in dieser Zeit 40 Prozent des Umsatzes – es fehlen also immer noch 60 Prozent», rechnet er vor und fährt fort: «Wenn man einen ganzen Betrieb umstellen muss und kurzfristig ein neues Konzept auf die Beine stellt, bleiben am Ende auch 1 Mio. Leerläufe…»

24 Stunden
Zum Schluss erzählt uns Mirko Buri noch eine Geschichte, die aufzeigt, welchen Stellenwert Foodsaving mittlerweile in unserer Gesellschaft hat. «Ich produzierte eine selbstgemachte Bouillon, die die Migros ins Sortiment aufnahm. Leider unternahm sie dafür Null Promotion und stellte die Ware unsichtbar zuunterst ins Regal. Nach neun Monaten bekam ich einen Anruf, dass das Produkt aus dem Sortiment entfernt wird. Ich war gefrustet und schrieb einen nüchternen Beitrag auf Social Media. 24 Stunden später stand unsere Bouillon wieder in den Migros-Regalen. Meine Social Media Community rief die Verantwortlichen auf den Plan und setzte sich für das Produkt ein. Inzwischen versechsfachte sich der Umsatz der Bouillon und die Zusammenarbeit mit der Migros bereitet uns grosse Freude.»

Letzte Frage

Wie gehst du mit deinen persönlichen Einschränkungen um?

«Das war kein grosses Thema für mich. Ich war während der Zeit des Lockdowns endlich einmal mehr zuhause, las wieder mal ein Buch, erzählte meinem Sohn Gutenacht-Geschichten und hatte viel Zeit zum Überlegen – etwas, was mir im normalen Alltag oft zu kurz kommt.»